Portraitfoto – Mein persönlicher Favorit #1

Jeder Fotograf hat das Eine oder Andere Lieblingsfoto in seiner Sammlung. Ebenso hat jeder seine individuellen Beweggründe, die zu dieser Entscheidung führen. Das folgende Bild ist eines meiner Lieblingsportraits, das ich schon viel zu lange auf der Platte liegen habe.

Das Foto weckt viele Erinnerungen an einen sehr kalten Tag, eine wunderschöne Ruine in Chemnitz, dem alten Postbahnhof und ein Model was nicht gekommen war. Da standen wir. Drei Fotografen und ein Model. Wir beschlossen uns abzuwechseln und ich gab Norman den Vortritt, um mein Blitzlichtsetup aufzubauen. Ich wollte auf dem dunklen Dachboden das Licht von der Dachluke mit in die Komposition einbauen. Doch als alles eingerichtet war, waren die beiden so sehr in die Weiten des alten Baus vorgedrungen, dass es eine Weile gedauert hatte, bis wir sie ausfindig gemacht hatten. Zwischenzeitlich war die Sonne sehr weit gewandert und in Begriff unter zu gehen. Eilig noch ein paar Bilder geschossen und weg war das Licht.

Für mich war dieser Umstand ein Glücksfall. Ich hatte beim ersten Blitzaufbau das Licht von der Dachluke beobachtet. Wie es sich in den Balken und Brettern zerstreute und schöne warme Farbmuster warf. Diese Stimmung wollte ich einfangen. Ich baute mit farbigen Licht kurzerhand die Lichtstimmung nach und konnte so alles aufeinander abstimmen. Weich umschmeichelndes und warmes Licht von hinten und das schemenhafte Gebälk des Dachstuhls im Hintergrund.

Alles war stimmig, nur Jessika war blau angelaufen. Zuvor nur mit einer leichten sommerlichen Bluse gekleidet und das bei Temperaturen weit unter der 10°C-Marke. Zum Glück hatte sie ihren „Kuschelpulli“ dabei und einen perfekt passenden Schal dazu. Sie war so glücklich über die warmen Sachen, dass ich keine großartigen Anweisungen geben musste und schon war dieses Foto geboren.

Fotograf: Marcus Niesel :: Lächelnde blonde Frau umschmeichelt von warmen Licht auf dem Dachboden des alten Postbahnhofs in Chemnitz

Fotosession mit Jessika, Norman und Ivo im alten Postbahnhof von Chemnitz :: Foto und Bearbeitung: Marcus Niesel

Das Foto ist fast vollständig von einer Bildbearbeitung verschont geblieben. Lediglich die Lippen und vereinzelte Hautpartien die durch die Kälte arg bläulich schimmerten, habe ich farblich korrigiert. Die natürliche Wirkung sollte so authentisch wie möglich erhalten bleiben. Zum Gelingen des Werkes hat auch ein altes manuelles Objektiv, das Pentacon 2.8/135mm, beigetragen. Dabei handelt es sich um ein mindestens 30 Jahre altes M42 Objektiv ohne Autofokus und mit einer Vorwahlblende. Im Klartext heißt das – ein Mal zu stark eingeatmet und der Fokus liegt daneben. An diesem Tag habe ich die Entschleunigung richtig genossen. Ich kann es nur wiederholen: Ein tolles Foto mit vielen schönen Erinnerungen!

Fotograf Marcus Niesel (10 Posts)

Ich bin der Kopf hinter Maszie.de | Autodidakt | Medienproduzent | Fotograf | Bildbearbeiter | Videoproduzent | Redakteur | Freizeit-Ornithologe | Schmetterlingskundler | Weltverbesserer. Dir gefallen meine Arbeiten und möchtest mit mir zusammenarbeiten, so schreib mir hier! Du findest mich auch auf Facebook und Google+


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